So erzeugen wir Obst in Baden-Württemberg.

 

So bauen wir Obst an – Wachstum und Arbeiten im Jahreslauf

 

Dr. Mayer

Wer selbst Obstbäume im Garten hat oder mit Schülern ein Streuobstwiesen-Projekt gemacht hat weiß, dass es fast das ganze Jahr etwas zu tun gibt. In einer professionellen Obstanlage ist es besonders wichtig, dass die nötigen Arbeiten pünktlich erledigt werden. Denn der Ertrag und die Gesundheit der Früchte sind abhängig davon, ob Schnitt, Düngung und Pflanzenschutz zum richtigen Zeitpunkt erfolgen.

Dr. Ulrich Mayr vom Kompetenzzentrum Obstbau-Bodensee hat schon viele Obstanlagen geplant und kann uns die Arbeiten im Jahreslauf erklären.

Hagelnetze

Pro Hektar werden in einer professionellen Anlage je nach Pflanzsystem 3000 bis 4000 Bäume angepflanzt. Bäume, die beispielsweise im Frühjahr 2016 angepflanzt wurden, haben ihren ersten guten Ertrag (15 t bis 20 t) im Herbst 2017. Fast alle neu gepflanzten Anlagen werden aufgrund der stark angestiegenen Hagelereignisse der letzten Jahre mit einem Hagelnetz ausgestattet.

Sommerschnitt

• Winterschnitt: Mit dem Winterschnitt wird dem Baum, eine dem Anbausystem angemessene Form, Größe und Stabilität gegeben. Abgetragene Fruchtäste werden entfernt, zu stark wachsende Triebe zurück bzw. angeschnitten.
• Sommerschnitt: Werden Schnittarbeiten vom Winter auf den Sommer verlegt, so hat dies eine triebberuhigende Wirkung. Sommerschnitt kann im Juni durch Entfernen junger Langtriebe (Triebreißen) oder nach dem Triebabschluss Ende August als Vorgriff auf den Winterschnitt durchgeführt werden. Letzteres konzentriert sich meist auf das Entfernen ganzer Astpartien und wird am zweckmäßigsten in Jahren mit wenig bzw. keinem Ertrag durchgeführt.

Düngung

Der Nährstoffaustrag durch die Früchte ist beim Kern- und Steinobst im Vergleich zu ackerbaulichen Kulturen relativ gering. Wesentlich bedeutsamer als die absolute Nährstoffmenge ist beim Baumobst jedoch der Bedarf in bestimmten Phasen der Vegetationsperiode. Die Zeit des relativ höchsten Nährstoffbedarfs liegt nach der Blüte im Mai und Juni. Zu diesem Zeitpunkt ist das Trieb- und Fruchtwachstum am stärksten.

Fahrgasse

Die Fahrgasse stellt ein wichtiges Element in einer Obstanlage dar. Unter unseren Klimaverhältnissen ist die Fahrgasse stets begrünt. Die Fahrgassenbegrünung gewährleistet eine gute Befahrbarkeit zur Ausführung der Pflegearbeiten auch bei ungünstigen Witterungsverhältnissen. In regelmäßigen Abständen wird der Grasbewuchs gemulcht. Die dauernde Zufuhr an organischer Substanz (Mähgut) verhindert den Humusabbau und fördert das Bodenleben.

Grasstreifen

Ein ca. 80 cm breiter Baumstreifen muss unter den Bäumen von Bewuchs freigehalten werden, da sonst die Graskonkurrenz um Wasser und Nährstoffe zu groß ist und das Baumwachstum und die Ertragsleistung empfindlich geschwächt werden. In der Integrierten Produktion werden Herbizide zum Freihalten des Baumstreifens angewandt, in der Ökologischen Produktion werden Hackgeräte eingesetzt.

Ausdünnung

Unter normalen Witterungs- und Entwicklungsbedingungen setzen die meisten Obstarten mehr Früchte an, als sie in guter Qualität ausbilden können. Ursache für die ungenügende Qualität ist ein zu enges Blatt-Frucht-Verhältnis, d. h. die Blätter können nicht alle Früchte ausreichend mit Assimilaten versorgen. Die frühzeitige Wegnahme überzähliger Blüten oder Früchte verbessert Größe, Farbe und Geschmack der verbleibenden Früchte und beugen einer Alternanz vor. Alternierende Obstbäume hängen in einem Jahr übervoll mit Früchten und im darauffolgenden Jahr bringen sie praktisch keinen Ertrag. Das Ganze wird hormonell gesteuert. Die Blütenknospen für das folgende Jahr werden bereits Ende Juli angelegt. Den größten Effekt auf die Alternanz hat eine Ausdünnung während der Blüte. Dies kann z.B. durch eine Behandlung der Blüten mit geeigneten Präparaten geschehen, so dass ein Teil der Blüten geschädigt werden und nicht mehr befruchtet werden können. Eine weitere Möglichkeit der Blütenausdünnung bietet die Fadenmaschine, die auch im Ökologischen Anbau zugelassen ist. Die Fadenmaschine schlägt mit rotierenden Plastikfäden einen Teil der Blüten ab.

Pflanzneschutz / Mulch

Pflanzenschutzmittel werden sowohl in der Integrierten als auch in der Ökologischen Produktion gezielt eingesetzt und auf das Notwendigste beschränkt. Dabei spielen vorbeugende indirekte Maßnahmen gegen Schaderreger wie die Stärkung der Baumvitalität oder die gezielte Förderung von Nützlingen eine wichtige Rolle. Auch ist eine regelmäßige Überwachung der Anlagen unverzichtbar. Nur wer über die Entwicklung der Schädlings- und Nützlingspopulationen unterrichtet ist, kann frühzeitig die jeweilige Gefährdung seiner Anlagen einschätzen und eine geeignete Pflanzenschutzstrategie entwickeln. Die gezielte Bekämpfung von Pilzkrankheiten, insbesondere von Apfelschorf, erfolgt mit Hilfe von Prognosemodellen. Unter Einbeziehung der Wetterdaten, der biologischen Faktoren (Sporenflug, Blattzuwachs) sowie des letzten Behandlungstermins werden Informationen gesammelt, die für oder gegen eine Behandlung sprechen. Im Gegensatz zur Integrierten Produktion, die den Einsatz auch von synthetischen Pflanzenschutzmitteln erlauben, sind im Ökoobstanbau nur Pflanzenschutzmittel auf Basis von Stoffen natürlichen Ursprungs zugelassen.

Ernte

Eine gute Ernteorganisation und ein schlagkräftige Pflückmannschaft sind erforderlich, um die Ernte rechtzeitig einzubringen. Die Pflücke muss sorgfältig und ohne Beschädigung an den Früchten (Druckstellen, ausgerissene Stiele, Verletzungen durch Fingernägel) erfolgen. Sorten, die unregelmäßig ausreifen oder viel Deckfarbe benötigen, müssen mehrmals durchpflückt werden. Pflücktaschen zum Umhängen oder Pflückbeutel, die mit Haken im Geäst aufgehängt, dort befüllt und anschließend in Großkisten entleert werden, haben sich bewährt. Erntezüge bringen die Großkisten (Füllinhalt 300 kg) aus den Anlagen zu den Lagern.

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